Coversängerin

Singen in einer Coverband – Das solltest du wissen

Ständig on the road, Party im Bierzelt, Feiern auf dem Volksfest und mit etwas Glück sogar Auftritte beim Oktoberfest: Sängerin in einer Party-Coverband zu sein, ist wirklich aufregend! Ich selbst war vier Jahre Frontsängerin in einer solchen Band. Der Unterschied zu klassischen Bands, die zum Beispiel auf Messen, Hochzeiten oder Firmenveranstaltungen spielen, ist groß. Worauf du dich einstellen solltest, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Meine Anfänge

Mit 22 Jahren, also recht spät, bin ich durch den Kontakt zu einem Drummer in mein erstes Coverband-Projekt eingestiegen. Anfangs war ich etwas skeptisch, wollte mir die Sache aber einfach mal anschauen und mit den Jungs proben. Auf einer Wellenlänge zu sein, ist wie in jeder anderen Art von Musikprojekt essenziell. Es gab mehrere Kandidatinnen und am Ende fiel die Wahl auf mich, was mich natürlich sehr gefreut hat. Los ging es erst einmal mit einem großen Fotoshooting für die Plakate.

Zeitaufwand

Wie viel Zeit solltest du für den Gig einplanen? Bei uns war es in der Regel so, dass wir um 18 Uhr einen Soundcheck vor Ort hatten, ca. eine halbe Stunde lang. Danach haben wir uns noch gestärkt, bevor der Auftritt um 19/19.30 Uhr losging. Der Auftritt im Festzelt ging dann bis spätestens 1 Uhr. Teilweise haben wir auch in kleinen Diskotheken oder Tanzlokalen gespielt, wo es auch schon mal länger ging, zum Beispiel von 22 Uhr bis 2.30 Uhr. Mit Fahrtweg nach Hause bin ich teilweise nicht vor 5 Uhr morgens ins Bett gekommen. Die Sets sind zwischen 40 und 45 Minuten lang. Meist werden 4-5 Runden gespielt. In der Hochsaison von Mai bis Oktober seit ihr entsprechend viel auf Achse – vor allem in Bayern bzw. Franken ist in dieser Zeit fast jedes Wochenende ein Volksfest, eine Kirchweih oder eine ähnliche Veranstaltung. Für mich bedeutete das, manchmal von Donnerstag bis Montag jeden Tag auf der Bühne zu stehen. In unserem erfolgreichsten Jahr hatten wir insgesamt 70 Auftritte! Geprobt haben wir damals verhältnismäßig wenig 😉

Repertoire

Von den 80er Jahre Hits bis zu aktuellen Charts ist alles dabei. Wenn man als Band so flexibel ist und sein Repertoire ausbauen kann, ist das natürlich umso besser. Ein paar Evergreens in der Partyband sind zum Beispiel:

  • I’m so excited
  • I will survive
  • Ein Kompliment
  • An Tagen wie diesen
  • 500 Miles
  • Atemlos

Sei dir bewusst, dass du mit einem Repertoire arbeitest, das die Zuhörer mitnimmt und begeistert. Die Gäste wollen mitgrölen, ihre Lieblingstexte mitsingen, tanzen und einfach eine gute Zeit haben. Ihr seid als Band dazu da, die Leute zu unterhalten und zu animieren. Du bist also nicht nur Sänger oder Sängerin, sondern Performer und Entertainer. Du musst in der Lage sein, mit dem Publikum zu spielen. Deshalb ist es am besten, wenn du alle Songs auswendig kannst – ja das geht! 😉 Ist natürlich viel zu lernen, aber wenn du es einmal kannst, hast du das Standard-Programm drauf. Der Vorteil: Du kannst dann auch mal bei anderen Bands aushelfen. Alternativ kannst du auf der Bühne auch ein iPad nutzen, aber das ewige Mitscrollen ist einfach nicht praktikabel und killt schnell die Spontanität Performance. Es gibt aber eine praktische Fußmaschine zum Bedienen, das kann eine gute Hilfe sein.

Gage

Was verdient man in einer Party-Coverband? Die Gagen liegen in der Regel zwischen 150 und 250 Euro pro Auftritt und Person – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Meine Pro-Tipps

Tipp 1: Mutig sein
Wie schaffst du es in eine Coverband? Tummel dich dort, wo auch die Bands sind, also in Bierzelten, auf Volksfesten etc. und sprecht die Band dort direkt an. Ich weiß, es ist eine Überwindung, aber schlimmer als ein „Nein“ kann es nicht werden. Stellt Fragen – die meisten empfangen euch mit offenen Armen und helfen euch gerne.

Tipp 2: Die Chemie muss stimmen
Bevor du zusagst, stelle sicher, dass ihr euch innerhalb der Band wirklich gut versteht. Ihr verbringt so viel Zeit zusammen – da muss die Chemie einfach stimmen. Echte Freundschaften werten jede Band auf und machen die gemeinsame Zeit besonders

Tipp 3: Eigenes Essen mitbringen
Nach vier Jahren „Kirchweihfraß“ habe ich angefangen, mein eigenes Essen mitzubringen 😀 Irgendwann konnte ich einfach keine Currywurst, Pommes, Schnitzel & Co. mehr sehen.

Tipp 3: Achte auf deinen Körper
Ständig spät ins Bett gehen, rädert auf Dauer. Nicht jeder steckt das körperlich so locker weg. Der nächste Tag war bei mir während des Studiums meist im Eimer.

Tipp 4: Technik ist da A und O
Ich habe mich damals schon zusätzlich außerhalb der Band stimmlich weitergebildet, um auf ein gutes Level zu kommen. Solche Abende sind anstrengend! 5-6 Stunden Durchsingen, Party machen – das ist harte Arbeit. Versau dir deine Stimme nicht, sondern kümmere dich von Anfang an um einen guten Lehrer.

Tipp 5: MACHEN!
Nimm so eine Chance an, wenn du sie bekommst und du dir im Klaren bist hinsichtlich Repertoire, Kohle und Zeitaufwand. Das wird dir enorm viel bringen. Du lernst wirklich fürs Leben und was es heißt zu performen, zu entertainen. Ich habe in meiner Coverband-Zeit viel gelernt und möchte keinen Moment missen, so hart es manchmal war.